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Ratgeber für Unternehmen

Fachkräftemangel in Buchhaltung und Controlling: was wirklich hilft

Marcel Vetter - Vetter RecruitingMarcel Vetter · Vetter Recruiting · Stand: Oktober 2026

Wer heute eine Stelle im Rechnungswesen ausschreibt, bekommt nicht zu wenige Bewerbungen. Er bekommt oft gar keine. Und während die Stelle offen bleibt, verschiebt sich der Abschluss, wächst der Rückstand im Mahnwesen, und das Team arbeitet die Lücke mit ab.

Die häufigste Antwort auf dieses Problem lautet Automatisierung: E-Rechnung, Buchungsvorschläge, KI-gestützte Kontierung. Diese Antwort ist nicht falsch, aber sie ist unvollständig. Dieser Ratgeber zeigt, warum der Mangel in Buchhaltung und Controlling strukturell ist, was Software davon tatsächlich abnimmt, und mit welchen vier Hebeln Unternehmen eine freie Stelle messbar schneller schließen.

Wie der Mangel im Rechnungswesen konkret aussieht

Drei Zahlen ordnen die Lage ein. Keine davon ist für Buchhaltung und Controlling allein erhoben, deshalb stehen sie hier mit dem, was sie jeweils genau aussagen:

  • Mehr als jedes dritte Unternehmen kann offene Stellen zumindest teilweise nicht besetzen. Das ist der Befund des DIHK-Fachkräftereports 2025/2026 über alle Branchen hinweg. Zu Beginn des zweiten Quartals 2026 berichteten 21 Prozent der Unternehmen, dass der Fachkräftemangel ihre Geschäftstätigkeit behindert.
  • Ab 80 Tagen gilt eine Stelle offiziell als Engpass-Signal. Die Bundesagentur für Arbeit zieht in ihrer Engpassanalyse diese Schwelle: Liegt die mittlere Vakanzzeit eines Berufs bei mindestens 80 Tagen, ist das ein deutlicher Hinweis auf einen Engpass. Als Engpassberuf gilt ein Beruf, wenn auf 100 gemeldete Stellen weniger als 100 passend qualifizierte Arbeitslose kommen.
  • Der Wettbewerb um dieselben Köpfe ist härter als in fast jeder anderen Branche. In der Rechts- und Steuerberatung sowie Wirtschaftsprüfung melden 72,7 Prozent der Betriebe einen Fachkräftemangel - der höchste Wert aller Branchen in der ifo-Konjunkturumfrage vom August 2025. Diese Kanzleien werben um genau die Buchhalter, Bilanzbuchhalter und Steuerfachkräfte, die auch Ihre Finanzabteilung sucht.

Was es für Buchhaltung und Controlling allein nicht gibt, ist eine belastbare öffentliche Quote. Wer Ihnen eine exakte Prozentzahl für genau diese Berufsgruppe nennt, hat sie in der Regel aus einer Branchenumfrage mit kleiner Stichprobe. Verlässlich ist der Mechanismus, nicht die Dezimalstelle: ein schrumpfendes Angebot, eine steigende Anforderung und ein Markt, in dem Kanzleien und Unternehmen um denselben Pool konkurrieren.

Warum Buchhaltung und Controlling besonders betroffen sind

Der Mangel im Rechnungswesen ist kein Konjunkturphänomen. Vier Entwicklungen wirken gleichzeitig und verstärken sich:

01

Die erfahrene Generation geht in Rente. In kaum einem anderen kaufmännischen Bereich sitzt so viel Wissen bei Menschen, die seit zwanzig Jahren im Betrieb sind. Wenn die Hauptbuchhalterin geht, geht nicht eine Stelle, sondern die Kontierungslogik des Hauses mit.

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Es kommen weniger nach. Die Anfängerzahlen in den kaufmännischen und buchhalterischen Ausbildungswegen sinken seit Jahren. Buchhaltung gilt bei Berufseinsteigern als das, was Software gleich übernimmt - also als Beruf ohne Zukunft.

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Die Anforderungen sind gleichzeitig gestiegen. E-Rechnung, ESG-Berichtspflichten, internationale Rechnungslegung, immer neue Meldepflichten. Gesucht wird heute jemand, der bucht und zugleich Prozesse versteht. Dieses Profil war immer selten und ist jetzt umkämpft.

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Sie konkurrieren mit den Steuerkanzleien. Eine Bilanzbuchhalterin kann in der Kanzlei oder im Unternehmen arbeiten. Kanzleien suchen seit Jahren intensiv und haben gelernt, mit Homeoffice, Vier-Tage-Woche und Weiterbildungsbudgets zu werben. Wer dagegen nur eine Stellenanzeige schaltet, verliert diesen Vergleich still.

Was Automatisierung löst - und was nicht

In den Suchergebnissen zu diesem Thema dominieren Anbieter von Buchhaltungssoftware und Automatisierungslösungen. Das ist kein Zufall, denn ihr Argument stimmt zur Hälfte: Ein großer Teil der Arbeit in der Buchhaltung ist regelbasiert und lässt sich tatsächlich abgeben.

Nur verschiebt Automatisierung den Bedarf, sie beseitigt ihn nicht. Was wegfällt, sind die einfachen Tätigkeiten. Was bleibt, sind die Fälle, bei denen die Maschine aussteigt - und genau die brauchen jemanden mit Urteilsvermögen.

Aufgabe Übernimmt Software Braucht einen Menschen
Eingangsrechnungen erfassen und vorkontieren weitgehend bei Abweichungen
Zahlungsabgleich, offene Posten, Mahnlauf weitgehend bei Streitfällen
Abgrenzungen, Rückstellungen, Bewertung teilweise immer
Jahresabschluss und Abstimmung mit der Prüfung nein immer
Zahlen erklären: Soll-Ist, Forecast, Entscheidungsvorlage nein immer

Daraus folgt eine unangenehme Konsequenz: Automatisierung senkt den Bedarf an einfachen Kräften und erhöht den Bedarf an erfahrenen. Sie löst also genau den Teil des Engpasses nicht, der wehtut. Ein Unternehmen, das Prozesse digitalisiert und gleichzeitig die Bilanzbuchhalterstelle offen lässt, hat sein Problem nicht gelöst, sondern nur verlagert.

Was Fachkräfte im Rechnungswesen zum Wechsel bewegt

Die entscheidende Zielgruppe sind nicht die aktiv Suchenden. Das ist die kleinere Gruppe. Die größere ist angestellt, zufrieden genug zum Bleiben und offen genug zum Zuhören - und sieht Ihre Stellenanzeige deshalb nie. Diese Menschen wechseln aus drei Gründen:

  • Verlässliche Arbeitszeit, nicht nur flexible. Wer jeden Monatsabschluss mit Überstunden bezahlt, hört bei einem Angebot mit realistischer Personaldecke zu. "Flexible Arbeitszeiten" steht in jeder Anzeige und sagt nichts. Eine Aussage zur tatsächlichen Besetzung des Teams sagt alles.
  • Homeoffice als Regel, nicht als Ausnahme. Buchhaltung ist der Bereich, in dem Remote-Arbeit technisch am einfachsten funktioniert. Unternehmen, die hier zurückrudern, verlieren Kandidaten an die, die es nicht tun - und zwar lautlos, denn niemand bewirbt sich, um dann abzusagen.
  • Eine Perspektive über das Buchen hinaus. Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter, Mitarbeit am Abschluss, Schritt in Richtung Controlling. Wer nur die Stelle besetzen will, die er gerade offen hat, verliert gegen den, der einen Weg anbietet.

Vier Hebel, die eine freie Stelle schneller schließen

Alle vier zielen auf dasselbe: Wochen aus der Vakanz herausnehmen. Keiner muss perfekt funktionieren, um sich zu rechnen.

1. Die Gehaltsspanne in die Ausschreibung schreiben

Kostet nichts und wirkt in zwei Richtungen. Kandidaten wissen, worauf sie sich einlassen, und bewerben sich eher. Und Sie führen keine drei Gesprächsrunden mehr, die am Ende an völlig unterschiedlichen Erwartungen scheitern. Jede abgebrochene Gesprächskette kostet einen Monat.

2. Passive Kandidaten dort ansprechen, wo sie sind

Wer nicht sucht, liest keine Jobportale. Er scrollt abends durch Instagram, Facebook und LinkedIn. Entscheidend ist dabei nicht der Kanal, sondern die Umsetzung: ein konkreter Aufhänger aus dem Arbeitsalltag statt Floskeln, echte Stimmen aus dem Team als Beleg, und eine Zielseite, auf der eine Bewerbung in zwei Minuten erledigt ist.

3. Die Bewerbung ohne Lebenslauf zulassen

Die größte vermeidbare Hürde im gesamten Prozess. Beruf, Erfahrung, Telefonnummer reichen für die Vorauswahl vollständig. Eine Buchhalterin mit fünfzehn Jahren Berufserfahrung hat keinen aktuellen Lebenslauf in der Schublade - und schreibt ihn abends auch nicht für eine Anzeige, die sie zufällig gesehen hat.

4. Innerhalb von 24 Stunden anrufen

Wer sich spontan bewirbt, hat in diesem Moment einen Entschluss gefasst. Dieser Moment hält keine zwei Wochen. Ein Anruf am nächsten Tag entscheidet häufiger über die Einstellung als das Gehalt. In fast jedem Prozess, den wir uns ansehen, ist dieser Punkt der teuerste Fehler - und der billigste zu beheben.

Was die offene Stelle in der Zwischenzeit kostet

Die Kosten einer Vakanz im Rechnungswesen stehen in keiner Kostenstelle, deshalb werden sie Monat für Monat getragen. Sie fallen trotzdem an:

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Der Abschluss verschiebt sich. Verspätete Monats- und Jahresabschlüsse heißen: Entscheidungen auf Basis alter Zahlen, unruhige Gespräche mit Bank und Prüfer, im schlechtesten Fall Fristverstöße.

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Liquidität bleibt liegen. Ein Mahnwesen, das niemand pflegt, kostet unmittelbar Geld. Offene Posten, die drei Wochen zu spät angefasst werden, sind Working Capital, das Sie sich anderswo besorgen müssen.

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Interim ist teuer. Eine externe Aushilfe oder ein Interim-Buchhalter überbrückt zuverlässig, aber zum Tagessatz. Das ist die richtige Entscheidung für drei Wochen und die falsche für neun Monate.

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Die Vakanz erzeugt die nächste. Der teuerste Effekt überhaupt: Wenn die Belastung lange genug anhält, kündigt jemand aus dem verbleibenden Team. Dann rechnen Sie alles doppelt, plus das Wissen, das mit aus der Tür geht.

Wie man diesen Betrag für den eigenen Betrieb durchrechnet, zeigen wir an einem offengelegten Rechenbeispiel aus der Steuerberatung: Was eine unbesetzte Stelle tatsächlich kostet. Die Logik ist übertragbar, nur die Größen ändern sich. Und was gegen den vierten Punkt hilft, steht im Ratgeber Mitarbeiter halten statt ständig nachbesetzen.

Was eine gezielte Kampagne bewirkt: ein Beispiel

57Bewerbungen
2,5Monate Laufzeit
0qualifizierte Bewerbungen davor

Für die Steuerkanzlei Maier haben wir mit gezielten Social-Media-Kampagnen und einer darauf abgestimmten Bewerbungsstrecke 57 Bewerbungen in 2,5 Monaten generiert - in einer Region und einem Berufsbild, in dem die Kanzlei zuvor monatelang keine einzige qualifizierte Bewerbung erhalten hatte.

Dieses Beispiel kommt aus der Steuerberatung, nicht aus einer Finanzabteilung. Wir nennen es trotzdem, weil die gesuchten Berufsbilder dieselben sind: Buchhaltung, Bilanzbuchhaltung, Lohn. Der Unterschied lag nicht am Budget, sondern am System - konkrete Ansprache der Zielgruppe, echte Einblicke statt Floskeln, ein Bewerbungsprozess ohne Hürden.

Häufige Fragen zum Fachkräftemangel in Buchhaltung und Controlling

Wie stark ist der Fachkräftemangel in der Buchhaltung?

Für Buchhaltung und Controlling allein gibt es keine belastbare öffentliche Quote. Belegt ist: Mehr als jedes dritte Unternehmen in Deutschland kann offene Stellen zumindest teilweise nicht besetzen (DIHK-Fachkräftereport 2025/2026), und im direkt konkurrierenden Kanzleimarkt melden 72,7 Prozent der Betriebe einen Mangel (ifo, August 2025). Für die Praxis heißt das: Sie suchen im selben kleinen Pool wie die Steuerkanzleien.

Warum finden Unternehmen keine Bilanzbuchhalter?

Weil dieses Profil doppelt knapp ist. Es verlangt Erfahrung, die man nicht in zwei Jahren erwirbt, und es wird gleichzeitig von Unternehmen und Steuerkanzleien gesucht. Dazu kommt, dass die meisten Bilanzbuchhalter angestellt und nicht auf Jobsuche sind. Eine Stellenanzeige erreicht sie nicht, weil sie keine liest.

Löst Automatisierung den Fachkräftemangel im Rechnungswesen?

Nur zum Teil, und nicht an der schmerzhaften Stelle. Software übernimmt die regelbasierte Arbeit: erfassen, vorkontieren, abgleichen, mahnen. Was bleibt, sind Bewertung, Abschluss, Abstimmung mit der Prüfung und das Erklären von Zahlen. Automatisierung senkt also den Bedarf an einfachen Kräften und erhöht ihn bei den erfahrenen - genau dort, wo der Markt leer ist.

Wie lange dauert es, eine Stelle im Rechnungswesen zu besetzen?

Eine saubere Zahl speziell für Buchhaltung und Controlling können wir hier nicht nennen. Als Orientierung dient die Schwelle der Bundesagentur für Arbeit: Eine mittlere Vakanzzeit von mindestens 80 Tagen gilt in der Engpassanalyse als deutliches Hinweiszeichen auf einen Engpass. Aus unseren Gesprächen mit Unternehmen sind sechs Monate und mehr für eine Bilanzbuchhalterstelle der Normalfall.

Was bringt mehr: Gehalt erhöhen oder die Stelle länger offen lassen?

In fast allen Fällen das Gehalt. 300 Euro mehr im Monat kosten mit Arbeitgeberanteil rund 4.300 Euro im Jahr. Ein einziger Monat, in dem der Abschluss liegen bleibt, Mahnungen nicht rausgehen und ein Interim-Buchhalter zum Tagessatz einspringt, liegt in derselben Größenordnung oder darüber.

Marcel Vetter, Gründer von Vetter Recruiting
Über den Autor

Marcel Vetter

Ich habe selbst Steuerrecht studiert, in Steuerkanzleien gearbeitet und bringe über 10 Jahre Erfahrung im digitalen Marketing mit. Mit Vetter Recruiting besetze ich Stellen in Buchhaltung, Bilanzbuchhaltung und Controlling - planbar, mit echten Bewerbungen und mit Einstellungsgarantie.

Studium Steuerrecht+10 Jahre Marketingerfahrung=Recruiting im Rechnungswesen

Besetzen Sie Ihre offene Stelle, statt sie zu verwalten

Im kostenlosen Erstgespräch sehen wir uns Ihre offene Position an: Region, Profil, Gehaltsrahmen, bisherige Versuche. Danach wissen Sie, ob und wie diese Stelle über eine gezielte Kampagne zu besetzen ist.

Mehr zu unserer Arbeit für Finanzabteilungen: Recruiting für Buchhaltung, Controlling und Steuerabteilung.

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Quellen: DIHK-Fachkräftereport 2025/2026 (mehr als jedes dritte Unternehmen kann offene Stellen zumindest teilweise nicht besetzen; 21 Prozent berichten zu Beginn des zweiten Quartals 2026 Behinderungen der Geschäftstätigkeit). Bundesagentur für Arbeit, Engpassanalyse: mittlere Vakanzzeit ab 80 Tagen als Engpass-Signal, Engpassberuf bei weniger als 100 passend qualifizierten Arbeitslosen je 100 gemeldete Stellen. ifo Institut, Konjunkturumfrage August 2025: 72,7 Prozent Fachkräftemangel in Rechts- und Steuerberatung sowie Wirtschaftsprüfung. Fallbeispiel Steuerkanzlei Maier aus eigenen Kampagnendaten. Die Zuordnung in der Automatisierungstabelle ist eine Einschätzung aus der Praxis, keine erhobene Statistik. Stand: Oktober 2026.